Rückblick 2009
Klemme ohne Kredit
Von Renate DaumDie Hausbank gibt kein Geld? Kein Problem! Es gibt jede Menge Kapital, das nur darauf wartet, verliehen zu werden. Vor allem „Kreditvermittler“ aus dem Ausland priesen im Krisenjahr 2009 ihre Dienste an. Unkompliziert sei das ganze, so wurde versprochen. Nur ein paar Gebühren fallen an. Oder eine Übersetzung ins Russische ist anzufertigen. Oder… Die Gründe sind vielfältig, warum das Geld trotz aller Vorleistungen des Interessenten doch nie auf dem Konto landet.
Auf vorab kassiertes Geld waren aber auch andere scharf. Sie setzten auf moderne Kommunikationswege und schlichen sich über soziale Netzwerke an ihre Opfer heran. Der sportliche, verständnisvolle Antiquitätenhändler aus Florida, die langhaarige Russin, sie waren angeblich total fasziniert von den Profilen, die ihre Opfer in spe in sozialen Netzwerken hinterlassen hatten. Vor dem Treffen mit dem potentiellen Partner wäre da nur noch die Frage, ob man nicht das Geld für den teuren Flug vorstrecken könne. Oder Gebühren zur Verschiffung der Antiquitäten. Oder… siehe oben. Ergebnis: Siehe oben.
Bußgelder schrecken nicht ab
Selbst wer sich nicht mit Krediten oder Sex locken lässt, freut sich über Geschenke. Zum Beispiel über unerwartete Gewinne. Auch wenn man sich gar nicht daran erinnern kann, an einem Gewinnspiel teilgenommen zu haben. Verkündet wurden solche vermeintlich frohen Botschaften oft am Telefon, auch wenn solche Anrufe ohne Einwilligung verboten sind. Die Bundesregierung verschärfte das entsprechende Gesetz 2009 sogar. Es blieb bislang ein Rohrkrepierer. Überraschend war das nicht. Zu lukrativ ist die Abzocke, Bußgelder schrecken da kaum ab.
Es ist nicht das erste Mal, dass politische Initiativen erfolglos bleiben, wenn es um die Bekämpfung von Missständen am grauen Kapitalmarkt geht. Es gibt sie seit Jahren, und nun scheint die Politik sie immerhin wahrzunehmen. Sie hörten die Experten dazu immerhin an. Mehrere Initiativen auf europäischer Ebene sollen für besseren Schutz der Anleger sorgen. Ob es was hilft? Nicht unbedingt. Zu lukrativ sind oft die Provisionen für ungeeignete Produkte. Gesetze schrecken da nicht unbedingt ab. Siehe oben.
TÜV Nord fiel mit Fondsnoten auf die Nase
Anlegern müssten bessere Entscheidungshilfen an die Hand gegeben werden, fordern daher einige. Ein Finanz-TÜV müsste her, der ähnlich den Prüfsiegeln für Toaster und Autos gewisse Standards bestätigt. Der TÜV Nord preschte mit einem Verfahren zur Prüfung der Plausibilität von Kapitalanlageprodukten vor und fiel damit auf die Nase. Ende 2009 zog er sein Notenvergabeverfahren nach heftiger und berechtigter Kritik kleinlaut zurück. Gute Zensuren hatten sogar Produkte erhalten, die auf Warnlisten standen. Nun will der TÜV Nord 2010 neue Kriterien vorstellen.
Ein heftiger Kritiker der alten TÜV-Siegel verstummte im Jahr 2009 allerdings. Das Deutsche Institut für Anlegerschutz (Dias) stellte nach internen Streitigkeiten die Arbeit ein und nahm sie bislang nicht wieder auf. Durch den plötzlichen Abgang des wortgewaltigen Vorstands Volker Pietsch fehlt dem Anlegerschutz in Deutschland gerade zu seiner Zeit eine gewichtige Stimme, in die von ihm lange geforderten Reformen in der Politik diskutiert werden.
Auf die Gerichte kommt Arbeit zu
Weitergehen wird im neuen Jahr die juristische Aufarbeitung alter Probleme. 2009 mussten sich unter anderem Verantwortliche der Falk-Gruppe vor Gericht verantworten. Sie standen einst einem der größten und bekanntesten Emissionshäuser für geschlossene Immobilienfonds vor. Nach langwierigen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Berlin 2009 Anklage gegen den Börsenguru Markus Frick erhoben. Er soll weitgehend wertlose Aktien empfohlen haben. Frick will von den Vorwürfen nichts wissen. Gegen unliebsame Presseberichte und Interneteinträge darüber geht er weiterhin mit rechtlichen Schritten vor.
Frick hat in der Aktienwelt Promi-Status. Für Helmut Kiener galt das bis vor kurzem ganz und gar nicht. Sein Vertrieb kokettierte vielmehr damit, dass Medien und Aufsichtsbehörden eher warnten als lobten. Nun sitzt er in Untersuchungshaft. Der Verdacht: Er soll hinter einem Schneeballsystem stecken. Lassen sich die Vorwürfe erhärten, hätte Deutschland eine Art Mini-Madoff. Statt um Milliarden wie beim größten Finanzbetrüger aller Zeiten aus den USA geht es bei Kiener allerdings „nur“ um einige Hundert Millionen Euro. Aber er hat ja sowieso nichts unrechtes getan. Sagen seine Anwälte.
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